Bachblüten

offen für neues 

oder

neue offenheit

 

 

Cherry Plum – Die Kontrolle loslassen

(Prunus cerasifera - Kirschpflaume)

Die Kirschpflaume ist ein kleiner Baum, der ursprünglich aus dem Balkan kommt. Er blüht als erstes Gehölz nach dem Winter, noch vor der Schlehe. Das ist die Zeit, in der wir uns innerlich sehr zusammenreissen müssen, weil die Sehnsucht nach dem Frühling sonst unerträglich ist. Genau dann erblüht er, als wenn er sagen wollte: "Lass los, und die Lösung kommt von allein!"

Die Rinde des Baumes ist mattbraun. Die fast grellen, schneeweissen Blüten bestehen aus fünf Blütenblättern und haben in der Mitte einen Kranz aus weit hervorstehenden Staubgefässen. Die schönen, leuchtend grünen Blätter erscheinen erst nach den Blüten. Cherry Plum ist bei uns fast nur als Heckenpflanze bekannt.

 

Die Frühlingszeit ist oft geprägt von Unruhe und Ungestüm. Umso interessanter ist gerade diese Pflanzenbotschaft. Für uns Menschen geht es darin aber ganz sicher um Stauungen im Gefühlsbereich oder körperlichen Ausdruck, die keine zeitliche Bindung haben. So hat jeder Mensch die Fähigkeit, zu jeder Zeit seine Kraft voll und ganz zu leben und dabei entspannt und innerlich gelöst zu bleiben. Sowohl sein Verstand als auch sein Gefühl sind hoch entwickelt und lenken ihn gleichberechtigt durchs Leben. Er kann die Ereignisse auf sich zukommen lassen, und aufgrund seiner inneren Ruhe und Gelassenheit kann er anstehende Entwicklungsschritte verhältnismässig flüssig vollziehen. Mit Hilfe seines gesunden Urvertrauens in die Berechtigung aller Gefühle werden massiv hereinbrechende Emotionen voll ausgelebt und gemeistert; die Gesamtheit des Menschen bleibt in Fluss, und selbst mit starken Gefühlen wie Wut kann dieser Mensch gut umgehen, indem er sie zum richtigen Zeitpunkt angemessen äussert.

 

Nicht alle Menschen werden auf ihrem Lebensweg zu diesen harmonischen Qualitäten ermuntert. In vielen Familien herrscht auch heute noch die Ansicht, dass es besser ist, starke Gefühle oder Schmerzen zu unterdrücken, damit uns niemand etwas anhaben kann. "Alles im Griff haben..." ist die Devise.

Je mehr wir uns jedoch darum bemühen, die Dinge verstandesmässig zu kontrollieren, anstatt sie geschehen zu lassen, unsere Power zu zügeln und unsere körperlichen Signale zu missachten, desto schneller kehrt sich unsere Devise um und richtet sich gegen uns. Dann hat "es uns im Griff" und eine Vielzahl von unangenehmen Beschwerden erinnert uns daran, wie sehr wir innerlich unter (Leistungs-)Druck stehen, angespannt verkrampft und verkopft sind. In erster Linie sind das: häufige Kopfschmerzen, Verspannungen besonders im Nackenbereich, nächtliches Zähneknirschen, Nägelbeissen, Bluthochdruck, grüner Star, sexuelle Probleme usw.

 

Bei Kindern kann sich die tägliche Unterdrückung der Gefühle über Bettnässen entladen, indem das Kind die Kontrolle über sich wenigstens im Schlafe vollkommen aufgibt. Für Erwachsene ist es wesentlich schwieriger, Ventile zu finden, da ihre Selbstbeherrschung nahezu perfekt funktioniert. Sie wird regiert von der Angst, den Kopf zu verlieren und nicht mehr "Herr der Lage" zu sein. Das Bedürfnis, "aus der Haut fahren" zu wollen, ist gross und äussert sich manchmal in cholerischen Anfällen, gleichzeitig verbunden mit der inneren Angst, sich selbst oder anderen etwas anzutun. Als Steigerung kann es zu Jähzorn kommen, der in Extremfällen bis zur Unberechenbarkeit geht. Das sind Wege, über die sich bei Erwachsenen das Ventil zumindest ein wenig öffnet, um sich danach umso fester zu schliessen, weil solche Ausbrüche um jeden Preis vermieden werden müssen. Ein Teufelskreis hat begonnen.

Wenn der Druck viel zu gross wird, können sich Gedanken an Selbstmord einschleichen, um diesem Teufelskreis zu entrinnen.

 

Die Cherry Plum-Blütenessenz entschärft die angespannte Lage, indem sie uns in die Lage versetzt, die zwanghafte Kontrolle über alles und jedes loszulassen und in Einklang mit inneren Gefühlen und äusseren Ereignissen zu leben. Dabei wird unsere Kraft zum Wohle des Ganzen eingesetzt.

 

 

Chestnut Bud – Aus Erfahrung wird man klug

(Aesculus hippocastanum - Rosskastanie/Knospe)

Wenn der Frühling ins Land zieht, beginn die Weisse Kastanie kraftstrotzende, pralle Knospen zu bilden, die mit einer klebrigen Schicht überzogen sind. Der zwar reife, aber noch geschlossene Zustand der Knospe zeigt den Ausdruck von prallem Leben, das noch nicht richtig da ist. Die Gesamtheit der Pflanze wirkt dann vom Kraftpotential her stark und bereit. Die Aufgabe, sich einer neuen Vegetationszeit und damit neuen Erfahrungen zu öffnen, muss angegangen werden, wobei die Pflanze auf Erfahrungen aus vergangenen Jahren zurückgreifen kann. Und trotzdem sieht es so aus, als ob sie will und nicht kann und sich jedes Jahr auf die gleiche Art quält.

 

Auch für uns Menschen gibt es Gelegenheiten, in denen wir unsere gebündelte Kraft und Aufmerksamkeit sammeln und bereit sind, uns jederzeit aufzumachen, um die Lektionen des Lebens, der Schule oder der Berufsausbildung zu lernen. Alles, was uns dann begegnet, nehmen wir wach auf, durchleben den Stoff oder die Erfahrung vollständig und werten dann das Ergebnis aus, um es folgerichtig einzuordnen. D.h. jede Lerngelegenheit ist willkommen, um neue Erfahrungen zu machen, die zeitlebens präsent und abrufbar in unserem Erfahrungsschatz gespeichert sind.

Neue Situationen werden automatisch mit vorhandenen Mustern und daraus gezogenen Schlussfolgerungen verglichen. Wirkt eine Situation ähnlich wie eine ehemals 'falsch' verlaufene, mobilisieren wir unsere verfügbare Phantasie, um eine neue Strategie zu finden, die den damaligen Fehler ersetzt.

 

Diese gründliche Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft ist eine wichtige Voraussetzung, um so leichtfüssig und schmerzfrei wie möglich auf dem Pfad des Lebens voranzuschreiten. Leider wirkt unsere Gangart jedoch allzu oft eher stolpernd, stockend oder gar rückwärts gerichtet. Dann ist es so, also würden die schlechten Erfahrungen an uns kleben bleiben und uns zu zwanghafter Wiederholung verleiten. Sicher kennen Sie eine Reihe alter Gewohnheiten, die Sie beibehalten, obwohl sie wissen, dass sie Ihnen nicht gut tun (Essgewohnheiten, Alkohol, Tabak, Bewegung, emotionale Abhängigkeit, Verhaltensmuster in Beziehungen und Gruppen usw.).

Auch gravierende Lebensveränderungen wie Arbeitswechsel oder Trennung müssen aufmerksam verarbeitet werden, um dieselben Enttäuschungen in Zukunft zu vermeiden. Aussenstehende sehen dann Wiederholungen und Ähnlichkeiten leicht auf den ersten Blick, während wir als Betroffene glauben, etwas völlig Neues zu erleben. Die erneute Enttäuschung ist vorprogrammiert. Der Beobachter zuckt nur ratlos mit den Schultern, da er gegen diese Unbelehrbarkeit machtlos ist.

 

Die Chestnut-Blütenessenz schenkt uns wieder einen wachen und aufmerksamen Geist, der alle Lebenslektionen leicht und bereitwillig lernt. Wir können falsche Verhaltensmuster loslassen und durch neue, bessere ersetzen (kein Esel stösst sich zweimal am gleichen Stein...).

Aber auch im Bereich des schulischen Lernens oder Studiums unterstützt die Blütenessenz. Die kognitiven Kräfte wie Aufnahme- und Merkfähigkeit für den Stoff werden gestärkt, was besonders bei "Spätlernern" (Umschulung, zweiter Bildungsweg, spätes Studium) von Bedeutung ist. Das Lerntempo wird schneller, und eventuelle Schulprobleme zu diesem Thema lösen sich auf.

 

 

Mustard – Offenheit

(Sinapis arvensis - Ackersenf)

Wenn wir eine einzeln wachsende Senfpflanze oder gar ein ganzes Senffeld betrachten, so fällt vor allem die intensiv leuchtende, gelbe Farbe der Blüten auf, die sehr sonnig und heiter wirkt. Wer schon einmal versucht hat, Senf abzupflücken, der weiss, dass der Stängel sich durch besondere Zähigkeit auszeichnet, die meistens dazu führt, dass wir die Wurzeln gleich mit ausreissen. Die Schärfe seines Geschmacks dürfte jedem Menschen bekannt sein.

 

Ähnliche Eigenschaften finden wir auch bei Menschen wieder, die diese Blütenqualität leben oder brauchen. Diese Menschen sind gesegnet durch ihr freundliches, heiteres Naturell, das ihnen eine charmante, manchmal charismatische Ausstrahlung verleiht. Sich in ihrer Nähe aufzuhalten, bedeutet Heiterkeit und angenehme Stunden. Neben dieser Freundlichkeit von innen heraus verfügen diese Menschen immer dann, wenn sie ganz in ihrer Mitte sind, über die Fähigkeit, sich ihren eigenen Raum zu nehmen und sich deutlich abzugrenzen. D.h. sie leben einen ausgewogenen und harmonischen Wechsel zwischen Geselligkeit und Alleinsein; Betriebsamkeit und Ruhe; Auseinandersetzung und Einklang. All das macht ihr ausgeglichenes und sonniges Naturell aus.

 

Hinzu kommt ein völlig anderes Verhaltensmuster, wenn diese Menschen sich weniger wohl fühlen. Dann verlangen sie sich selbst ab, ihre Lebensgewohnheiten so beizubehalten, wie sie es immer tun. Sie halten dann Geselligkeit aus, obwohl ihnen viel eher nach Ruhe wäre. Sie ziehen sich nur innerlich zurück, ohne aber ihre Mitmenschen zu informieren. Sie lassen Ungerechtigkeiten über sich ergehen, denen sie normalerweise entgegentreten würden. Sie arbeiten über ihre Kraftgrenzen hinaus, immer im Hinblick auf die ersehnte Ruhe, "die ja bestimmt eintritt, wenn dieses und jenes noch erledigt wurde/ausgehalten wurde"...

 

In dem Bemühen zäh zu sein und die Situation auszuhalten, versäumen sie in der Regel gegenüber sich selbst und ihren Mitmenschen mitzuteilen, wie sehr sie sich anstrengen müssen. Stattdessen weichen sie innerlich automatisch mehr und mehr zurück, um sich zu schonen und zu schützen. Es entsteht eine Sogwirkung: Die Mitmenschen rücken nach, da sie nichts über diese innerliche Bedrängnis wissen. Schliesslich ist der Augenblick erreicht, in dem der Bedrängte mit dem Rücken an der Wand steht und sich hilflos der nachrückenden Belastung gegenübersieht. Die einzige Ausweichmöglichkeiten, die jetzt noch bleiben, sind entweder die Flucht nach vorn in Form eines heftigen und plötzlichen Wutausbruchs, der das Gegenüber einschüchtert, völlig unerwartet trifft und erschreckt zurückweichen lässt (verbale Schärfe ist darin typisch) oder Traurigkeit/Depression, die das Gegenüber ebenfalls zurückweichen lässt, weil es gar nicht weiss, woher dieser Stimmungsumschwung so plötzlich kommt, wo doch "eben noch alles in Ordnung war...".

Die Fähigkeit, unangenehme Dinge hinzunehmen und auszuhalten wird hier so lange übertrieben, bis das Gefühl für die wahren eigenen Bedürfnisse verlorengeht. In beiden Fällen fühlt sich der Mensch entwurzelt oder dem inneren Zusammenbruch nah.

 

Um es nochmals deutlich zu machen: Depressionen haben immer eine längere Vorgeschichte oder Vorlaufzeit, aber selten wissen der Betroffene selbst und die Menschen um ihn etwas darüber, dass er seine Grenzen schon lange überschritten hat. In günstigen Fällen birgt eine wütende "Explosion" die Chance in sich, nach dem Gewitter in Ruhe darüber zu sprechen, wie alles angefangen hat oder seit wann sich das "Gewitter" zusammengebraut hat.

 

Mit Hilfe der Mustard-Blütenessenz werden wir wieder mit unserem gesunden Empfinden für unsere Leistungsgrenze in Kontakt gebracht. Bei Bedarf gelingt der innere und äussere Rückzug ganz selbstverständlich und kann auch gegenüber Mitmenschen vermittelnd und klar geäussert werden, so dass jeder diesem Bedürfnis gerne nachkommt.

 

 

Sweet Chestnut – Aus tiefer Not heraus

(Castanea sativa - Esskastanie)

Im Tessin ist die Esskastanie häufig anzutreffen und lässt uns an ihren Eigenarten teilhaben. Die Esskastanie ist ein bis zu 30 m hoher, majestätischer Baum, der eine wuchtige und ausladende Krone bildet. Der Umfang des Stammes kann sich dabei auf über 10 m entwickeln. Sie kann ein Alter von mehr als 1000 Jahren erreichen und selbst aus dem alten Holz junge Triebe bilden. Das ist unmittelbar demonstrierte Lebenskraft!

Ihre grossen Blätter sind oval, haben gesägte Ränder und erreichen eine Länge von 25 cm. Ihr Grün ist frisch und hell. Innerhalb des Waldes herrscht eine freundliche, kraftvolle Stimmung. Wenn im Herbst die reifen Früchte fallen, steigert sich dieser Eindruck noch. An die wohlschmeckenden Früchte heranzukommen, bedarf allerdings einiger Tricks und einer guten Portion Unerschrockenheit, denn sie befinden sich in kugeligen Stachelhüllen, die stark an Miniatur-Igel erinnern. Die vertikal gefaltete Rinde überzieht den Baum spiralig, so als stünde er auf einem Punkt besonders konzentrierter Erdkräfte. Die Charakteristik, die dieses Wesen mitbringt, hat sehr viel mit innerer Stärke zu tun - mit der Stärke, schwierigen Lebensabschnitten unerschrocken zu begegnen.

 

Als Sweet Chestnut-betonte Menschen besitzen wir eine tief-innere Hingabe an unsere Wandlungsfähigkeit und können Schwierigkeiten als Wachstumsaufgabe akzeptieren. Wir besitzen den unerschütterlichen Glauben an unser inneres Licht und sind voller Lebensfreude und Lebensmut. Innerhalb einer Krise können wir uns ratsuchend anderen Menschen anvertrauen und unseren Kummer teilen. Mit Trost und eigener Kraft meistern wir den steinigen Weg.

 

Nicht immer bleibt uns diese Unerschrockenheit gegenüber Schicksalsschlägen erhalten. Wenn sie vorübergehend verschüttet wird, verhalten wir uns ähnlich unnahbar, wie die Kastanienfrüchte. Wir verschliessen uns gegen die Aussenwelt und versuchen mit unserem Kummer allein zu bleiben. Die innere Devise lautet: "Niemand braucht zu wissen, wie es in mir aussieht." Damit manövrieren wir uns in eine schwierige Position, denn wir brauchen dringend Unterstützung, um aus unserer zunehmenden Lethargie und Traurigkeit herauszufinden. Ohne dass wir uns mitteilen, kann aber kein Aussenstehender ahnen, dass wir Hilfe brauchen, um die Ausweglosigkeit zu überwinden und die in ihr steckende Chance zu entdecken.

 

So geraten wir mehr und mehr in Depressionen, während selbst unsere besten Freunde nicht an uns herankommen. Ist die Schwierigkeit überwunden, gelingt es uns wieder, über die hinter uns liegende Zeit zu sprechen. Unser Gegenüber ist dann erschrocken über das Ausmass unserer Not und reagiert typischerweise mit einem Satz wie: "Ich habe gar nicht gewusst, dass es dir schlecht ging!" Gelingt die Überwindung des Problems nicht, verkriechen wir uns so weit, dass wir nur noch die Decke über die Ohren ziehen und nicht nach draussen gehen. Wir haben das Gefühl, an der Grenze unserer Belastbarkeit angekommen zu sein.

 

Die Sweet Chestnut- Blütenessenz ermöglicht eine erneute Öffnung für die Sinnhaftigkeit der augenblicklichen Lage und macht dabei mitteilungsfähig. Angebotene Hilfe wird dankbar angenommen. Die Lektion der Krise wird angenommen und gelernt.

 

 

Bachblüten-Texte von Luna S.Miesala-Sellin